Gegen Diskriminierung an der RUB

Diskriminierungskategorien – Rassistische Zuschreibungen

Unter Diskriminierung aufgrund rassistischer Zuschreibungen werden unterschiedliche Aspekte vereint: Die Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe, der ethnischen oder nationalen Herkunft (die sich auch im Namen oder der Sprache der Betroffenen niederschlagen kann). Rassismus gibt es in verschiedenen Erscheinungsformen. In Deutschland sind beispielsweise Jüdinnen*Juden, Sinti*zze und Rom*nja, People of Color und Schwarze Menschen, Muslim*innen, Menschen mit Migrationsgeschichte und geflüchtete Menschen betroffen.

Mit dem Begriff Rassismus wird ein gesellschaftliches Verhältnis beschrieben, in dem kategorisiert wird, welche Personengruppen vermeintlich nicht zur Gruppe der Eigenen gehört, also nicht als „deutsch“ wahrgenommen werden und deshalb nur eingeschränkten Zugang zu Ressourcen erhalten.

Wir leben in einer Welt, die von rassistischen Strukturen durchzogen ist. Diese Strukturen ziehen für rassistisch markierte Menschen tägliche Diskriminierungserfahrungen nach sich – sei es auf individueller, institutioneller oder auch struktureller Ebene.

Rassismus umfasst mehr als individuelle Vorurteile

Rassismus ist im gesellschaftlichen Wissensbestand verankert und hierarchisiert Menschen anhand spezifischer Zuschreibungen und vermeintlicher oder tatsächlicher Differenzen. Dieser gesellschaftliche Wissensbestand, das soziale Wissen um die angeblichen Eigenschaften von bestimmten Gruppen, ist die Basis des Rassismus.

Unterschiedlichen Gruppen wird ein Set von Eigenschaften zugeschrieben, welche als unveränderbare Differenz und gleichzeitig Gegensatz zur Eigengruppe festgeschrieben werden – mit der Folge einer gesellschaftlichen Schlechterstellung.

Differenzen markieren

Biologistische Unterscheidungen gelten mittlerweile als wissenschaftlich widerlegt, so ist es unstrittig, dass Menschen nicht in unterschiedliche ‚Rassen‘ eingeteilt werden können. Nichtsdestotrotz ist die Differenzmarkierung anhand phänotypischer Merkmale wie der Hautfarbe noch immer wirkmächtig und spiegelt sich in den Rassismuserfahrungen Schwarzer Menschen und Menschen of Color wider.

Kulturrassismus

Es gibt aber auch Differenzmarkierungen, die vermeintlich kulturelle Unterschiede statt der widerlegten biologisch begründeten Differenzen fokussieren – vereinfacht gesagt: Wenn ‚Rasse‘ mit ‚Kultur‘ ersetzt wird, sprechen wir von Kulturrassismus. Diese angeblichen Kulturunterschiede werden als unveränderbar, einheitlich und miteinander unvereinbar wahrgenommen und entsprechend hierarchisiert. Ein Beispiel für Kulturrassismus sind bspw. die Diskurse rund um die angebliche Islamisierung des Abendlandes, die von Gruppierungen wie Pegida befürchtet werden.

Rassismus und Macht

Rassismus ist stets mit Macht verbunden, denn nur die Gruppe, die Macht besitzt, kann Gruppen als minderwertig konstruieren UND ihnen somit einen Platz in der Gesellschaft zuweisen – dieser ist in der Regel marginalisiert und mit beschränkten Ressourcen versehen. Umkehrte Mechanismen, ein sogenannter umgedrehter Rassismus, ist deshalb nicht existent, weil sich das rassistische Wissen nicht im Wissensrepertoire der Gesellschaft durchsetzt, da ihm die strukturelle Ebene fehlt. Die Einheit aus Wissen und Institution, zwei Aspekte die sich gegenseitig verstärken, macht den Rassismus wirkmächtig und historisch wandelbar.

Rassismen

Rassismus ist historisch spezifisch, das heißt er kann in seiner Erscheinungsform je nach Epoche, Kultur oder Gesellschaftsform variieren, was zu spezifischen Unterschieden führt.

Um diese Unterschiede analysieren und auch adressieren zu können, muss Rassismus als ein System verschiedener Rassismen benannt werden. Das bedeutet, dass unterschiedliche Formen von Rassismus vielfältige Hintergründe, Gemeinsamkeiten und Unterschiede ausweisen: Gegen wen richtet er sich, auf welchen Ebenen und wie wurde oder wird er wirksam, welchem Zweck diente er und welche Folgen hat(te) er.

So unterscheiden wir etwa Antiziganismus, Antislawismus, Anti-Schwarzer-Rassismus, Antimuslimischer Rassismus oder Antiasiatischer Rassismus.

Glossar

Mit den Schreibweisen „Schwarz“ und „weiß“ werden nicht ‚Hautfarben‘ beschrieben, sondern politische und soziale Konstruktionen in einer von Rassismus geprägten Gesellschaft.

  • Schwarz: emanzipatorische Selbstbezeichnung von Schwarzen Menschen. Um den Widerstandscharakter dieses Wortes zu betonen, wird das ‚S‘ großgeschrieben.
  • weiß: dominante Position, die meist nicht benannt wird, da sie als ‚normal‘ verstanden wird.
  • PoC (People of Color) : Selbstbezeichnung von Menschen, die Rassismuserfahrungen machen
  • BIPoC (Black, Indigenous and People of Color): Sammelbegriff der politischen Selbstbezeichnungen, deren Gemeinsamkeit in den gemachten Rassismuserfahrungen auf struktureller, historischer und individueller Ebene liegen.

Alltagsrassismus

Als Alltagsrassismus werden Rassismuserfahrungen bezeichnet, die für Personen, die von der Mehrheitsgesellschaft als nicht zugehörig unterschieden werden, sich als wiederkehrende Alltagserfahrungen darstellen. Hierzu gehören Abwertungen, Angriffe und Ausgrenzungen (sog. Mikroaggressionen), die sich auch im Hochschulkontext zeigen können:

Beispiele

  • Studierende, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, werden aus Lern- oder Referatsgruppen ausgeschlossen. Die Kommiliton*innen fürchten aufgrund vermeintlich unzureichender Deutschkenntnisse einen Mehraufwand und eine schlechtere Benotung durch die Mitarbeit.
  • Internationalen Studierenden mit Bildungsabschlüssen außerhalb der EU wird der Zugang zum deutschen Hochschulsystem erschwert, indem die Hochschulzulassung nicht anerkannt wird.
  • In der Lehre werden wissenschaftliche Arbeiten migrantischer und Schwarzer Wissenschaftler*innen oder Wissenschaftler*innen of Color ausgeklammert.
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